Studie zum Sprachwandel
Warum die GenZ sich nicht traut, “bitte” zu sagen
Stand: 05.11.2026 15:08 Uhr von Sarah Bötscher, MDR AKTUELL
“Bitte” und “danke” zu sagen, gehört für viele einfach zum guten Ton. Aber was wir als höflich empfinden, verändert sich. Gerade jüngere Menschen drücken Höflichkeit oft anders aus als ältere Generationen. Eine neue Studie zeigt: Das klassische “bitte” wird seltener verwendet. Stattdessen greifen viele junge Menschen auf andere Formulierungen zurück, etwa mit Worten wie “vielleicht”.
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30-Jährige sagen laut einer Studie nur halb so oft “bitte” wie 70-Jährige.
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Statt “bitte” verwenden junge Menschen häufiger Wörter wie “vielleicht” oder “eventuell”.
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Jüngere duzen deutlich häufiger als Ältere, gelten Forschern zufolge aber nicht als unhöflicher.
Wie heißt das Zauberwort? Diese Frage haben viele vermutlich schon als Kinder gehört. Daten des Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin und der Uni Bielefeld zeigen: 30-Jährige sprechen das Wort “bitte” nur bei jeder vierten ihrer Bitten tatsächlich aus, 70-Jährige dagegen fast doppelt so häufig. Statt “Kannst du das bitte wegräumen?” heißt es dann eher: “Kannst du das vielleicht wegräumen?”
“Bitte” hat sich abgenutzt
Warum das so ist, erklärt Janel Zoske. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin und forscht zu Höflichkeit im deutschsprachigen Raum. “Zum einen ist es so, dass Sprache sich immer wandelt. Das ist etwas ganz Normales. Aber wir sehen auch, dass sich die Höflichkeitsnormen wandeln. Bei ‘bitte’ im Speziellen gehen wir davon aus, dass ‘Bitte’ eben ein sehr offensichtlicher Marker für Höflichkeit ist, der uns als Kindern fast schon eingetrichtert wird. Und dadurch, dass er in den vergangenen Jahrzehnten so häufig in Zusammenhang mit einer Aufforderung verwendet wurde, ist sein Status als Höflichkeitsmarker so ein bisschen abgenutzt.” “Vielleicht” lässt Raum für ein Nein
“Bitte” wird also out. “Und ‘vielleicht’ und ‘eventuell’ bewirken eben, dass dem Gegenüber eine Art Handlungsspielraum eingeräumt wird. Wenn Sie jetzt sagen würden: ‘Könntest du vielleicht den Geschirrspüler ausräumen?’, habe ich zumindest die Möglichkeit, Nein zu sagen.”
Eine Umfrage vor der Uni Leipzig bestätigt das. Viele junge Leute sagen dort: Höflich sein möchten sie schon. Aber nicht unbedingt mit dem Wort “bitte”. So sagt ein junger Mann: “Ich würde auch eher ‘vielleicht’ sagen. Wenn ich ‘bitte’ sagen würde, dann würde ich auch wirklich verlangen, dass die Person das macht. Dann wäre es mir wirklich sehr wichtig. Und bei ‘vielleicht’ würde ich auch ein Nein als okay werten.”
Eine junge Frau sagt: “Also, ich wurde sehr in die Richtung erzogen: Bitte, danke, siezen und so ein Zeug. Fünf Jahre plus würde ich Siezen.” Jüngere duzen häufiger
Auch das zeigt die Studie: Junge Menschen greifen viel häufiger zum “Du” statt zum “Sie”. Für Sprachwissenschaftlerin Janel Zoske ist das aber kein Zeichen dafür, dass die junge Generation unhöflicher geworden ist. Vielmehr hätten sich die Vorstellungen davon verändert, wie man respektvoll miteinander umgeht – auch durch den Einfluss von Social Media und der englischen Sprache, wo ein “Du” ganz selbstverständlich ist.
Im deutschsprachigen Raum gibt es außerdem in allen Altersgruppen regionale Unterschiede. “Der nord-mitteldeutsche Bereich verhält sich schon etwas anders als Süddeutschland, die Schweiz, Österreich. Wir sehen das zum Beispiel in Bezug darauf, ob ein Konjunktiv verwendet wird, also wenn ich sowas sage wie ‘Könntest du mir das Salz geben?’ oder ‘Kannst du mir das Salz geben’?”
Der Konjunktiv “könnte” trete im süddeutschen Sprachraum deutlich häufiger auf. Bei uns in Mitteldeutschland geht es also offenbar etwas direkter zu – dann vielleicht noch mit Zauberwort. Je nachdem, wie alt Sie sind.



Ist für mich auch eine relativ bewusste Entscheidung. Mit dem “vielleicht” schlage ich nur etwas vor, was die Person tun könnte, sofern sie mithelfen will.
Wenn die Person nicht helfen will, dann fackele ich nicht lange rum, sondern mach es einfach selbst.
Total spannend. Ich gehöre nun wirklich nicht zur beforschten Altersgruppe, aber irgendwie kann ich das Fremdeln mit dem “Bitte” nachvollziehen: Wenn ich meine Kinder auffordere, etwas zu tun, dann sage ich auch immer “Bitte” (“Räum bitte Deine Spielsachen weg”), aber streng genommen hat das mit einer Bitte, die verweigert werden kann, natürlich wenig zu tun. Wenn ich der Person die Möglichkeit geben möchte, “Nein” zu sagen, würde ich aber sowas sagen, wie “Hast Du Lust, mir beim Aufräumen zu helfen?”.